Archiv für Februar 2012

Dresden 2012: Einigkeit und Recht und Freiheit?


Nachdem die letzten 3 Jahre erfolgreich gegen Europas größten Naziaufmarsch in Dresden blockiert wurde, demonstrierten am 18.02.2012. mehrere Tausend Menschen gegen die Kriminalisierung von AntifaschistInnen. Das Video zeigt die Demonstration und Ausschnitte von Redebeiträgen. Einen Videobericht vom 13.02.2012, sowie eine Doku aus dem Jahr 2006 gibt es hier und hier.

Antifaschist zu Knast verurteilt! ///FREE SMILY ///

Heute wurde der Stuttgarter Antifaschist Smily vom Amtsgericht zu 10 Monaten Knast verurteilt. Knapp 100 Menschen zeigten sich mit ihm solidarisch und beobachteten den Prozess. Außerdem nahmen einige schon eine Stunde vor Prozessbeginn an einer Solikundgebung vor dem Gericht teil. Mit einem Großaufgebot versuchte die Stuttgarter Polizei im Gerichtsgebäude jede Art von Protest zu verhindern.

Vorgeworfen wurden dem Genossen, eine Gruppe in der sich auch rechtsoffene Personen befanden angegriffen zu haben. Außerdem wurde eine Sachbeschädigung bei einem antirassistischen Konzert auf dem leider auch eine Grauzonenband anwesend war, sowie ACAB und RASH Graffitis auf Bullenwägen angeklagt.

Die Verhandlung begann mit einer Einlassung von Smily in der er auf die Problematik der sog. Grauzone, also dem vorgeblich unpolitischen Teil der Skinheadszene, der aber tatsächlich nach rechts offen ist, einging. Weiter schilderte er den Vorfall in der Stuttgarter Innenstadt, wo er aus einer größeren Gruppe aufgrund seines politischen Engagements in der Skinheadszene angepöbelt wurde. Nachdem er daraufhin eine der Personen zur Rede stellen wollte, wurde von weiteren aus der Gruppe angegriffen. Diese allerdings behaupteten vor Gericht sie seien grundlos attackiert und vier von ihnen von dem Angeklagten verletzt worden. Angeblich mussten sie sogar ambulant behandelt werden, konnten dafür allerdings keinerlei Atteste vorweisen. Das störte die Richterin aber genauso wenig wie zahlreiche Widersprüche in den Aussagen zum Ablauf oder den Ursachen der Auseinandersetzung. Zwei der angeblichen Opfer erklärten zu betrunken gewesen zu sein um sich an den Vorfall zu erinnern. Ein weiterer Zeuge bestätigte außerdem die Version von Smily.

Die U-Haft in der der Antifaschist seit anderthalb Wochen sitzt wurde mit auch mit zweifelhaften Aussagen der angeblichen Opfer begründet, die per Facebook bedroht worden sein wollten, dies aber nicht belegen konnten. Einer erdreistete sich darüber hinaus sogar noch den Aufruf zur Prozessbeobachtung als Bedrohung zu interpretieren.

Danach wurde die Sachbeschädigung auf dem genannten Konzert verhandelt. Auslöser der Auseinandersetzung dort waren neben der Anwesenheit der Grauzonenband, diffamierende Flyer auf denen Smily selbst als rechts bezeichnet wurde. Diese Flyer lagen bei dem Konzert am Eingang aus. Der Angeklagte räumte ein in diesem Zusammenhang ein in Rage das Schlagzeug besagter Band beschädigt und die Veranstalterin beleidigt zu haben.

Was die Beschädigung der Bullenwägen anging, so versuchten Staatsanwältin und Richterin die Tat unbedingt dem Angeklagten nachzuweisen, obwohl eine andere Person bereits eingeräumt hatte die Wägen besprüht zu haben. Letztlich wurde dieser Vorwurf aber fallengelassen.

Die Richterin blieb am Ende mit ihrem Urteil von 10 Monaten ohne Bewährung knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 14 Monaten.
Das ganze Verfahren war letztlich von dem Versuch des Gerichts gekennzeichnet die Geschehnisse zu entpolitisieren. Wobei der politische Charakter u.a. überdeutlich durch die Ermittlungen der bekannten Staatsschützer Sitzler und Stadtmüller, sowie dem auf Verfahren gegen Linke spezialisierten Staatsanwalt Stefan Biehl zutage trat. Auch der Einsatz von mindestens 50 Bullen am Ende des Prozesses sprach eine deutlich Sprache.

Die Richterin selbst zeigte auch sehr deutlich wie stümperhaft und ohne jegliches Wissen in dem Stuttgarter Amtsgericht Urteile gefällt werden als sie auf die Aussage des Angeklagten „Roter Faschist“ genannt worden zu sein, fragte ob er sich nicht selbst so bezeichnen würde. Dreist war ebenfalls, dass aus dem Haftgrund der Verdunklungsgefahr auf einmal eine angebliche Fluchtgefahr konstruiert wurde, um den Betroffenen weiterhin in U-Haft zu behalten.

Zeigen wir uns solidarisch mit dem Angeklagten! Lasst uns Smily weiter unterstützen, schreibt ihm und solidarisiert euch mit ihm!

Solidarität ist eine Waffe!

rashstuttgart.blogsport.de
solikreis-stuttgart.tk

Out of Step – Hardcore-Punk zwischen Rollback und neonazistischer Adaption

Werte Befreundete, Wegbegleitende und (unbekannte) Mitkämpfende,

wie ja schon einige von Euch wissen, erscheint in den nächsten Wochen beim Unrast-Verlag aus Münster in der Reihe antifaschistischer Texte (rat) ein großartiges Buch:

Ingo Taler / Out of Step – Hardcore-Punk zwischen Rollback und neonazistischer Adaption

Zum ersten Mal liegt mit diesem Buch eine fundierte und extrem umfangreiche Auseinandersetzung mit den zahlreichen Unterwanderungs- und Umdeutungsversuchen der Punk- und Hardcore-Szene durch organisierte Neonazis vor. Ingo Taler berichtet kenntnisreich über die (mittlerweile) sehr vielen Nazi-Hardcore-Bands und lässt uns einen gruseligen Blick hinter die Kulissen dieser Szene werfen. Neben dieser ausführlichen und informativen Dokumentation liegt die besondere Bedeutung dieses Buchs jedoch im Aufwerfen der grundsätzlichen Frage, was denn eigentlich die Hardcore-Szene so interessant
und anziehend für Neonazis macht. Hier kehrt Ingo Taler auch ordentlich vor der eigenen Szene-Haustür und benennt umfangreich und selbstkritisch Fehlentwicklungen und reaktionäre bzw. antiemanzipatorische Tendenzen der letzten zwanzig Jahre.

Dem Buch ist anzumerken, dass hier ein langjähriger HC-Aktivist mit Herzblut und Engagement am Werk war, der in dieser Szene aufgewachsen und in ihr immer noch tief verwurzelt ist. Der gesamte Text ist ein leidenschaftliches und radikales Plädoyer für eine politisch bewusste, strikt antifaschistische und kämpferische Punk- und Hardcore-Bewegung. Hier wird zum Glück kein inhaltsleeres „Good night white pride“-Geplapper (das wir zur Genüge von irgendwelchen Schwätzer und Szene-Geschäftemachern kennen) serviert, nein, mit diesem Buch liegt in Zeiten des Grauzonen-Unwesens endlich eine brauchbare und klare politische Standortbestimmung vor.

Einige von Euch hatten uns ja schon im Vorfeld ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt, wir appellieren daher an dieser Stelle nochmals an den erweiterten Empfängerkreis: unterstützt dieses wichtige Buchprojekt! Möglichkeiten dazu gibt es ja in rauen Mengen: schreibt Rezensionen, verschickt Werbung , empfehlt das Teil an Mailorder, Info- oder Plattenläden (oder nehmt es selbst in Euer Programm auf), schickt Rundmails (mit dem Dateianhang) weiter, veranstaltet Lesungen mit Ingo, schenkt das Buch der Oma oder Onkel Heinz zum Geburtstag usw…

DIY!!!

Nazipunks FUCK OFF! Grau- und Brownzone in die Tonne kloppen! Stay Punk! Stay Skinhead! Stay Hardcore! Stay Antifa!

In diesen Sinne

MC Nuri – Wenn du gefangen bist …


„Wenn du gefangen bist, in diesem Asylantenheim;
wünscht du dir nur eins, ein freier Mensch zu sein.“
So die ersten reimenden Worte von Mc Nuri. Die Filmpiraten sind knapp eine Woche nach Gifhorn gefahren, um mit ihm bei minus 15°C sein erstes Musikvideo zu drehen. Bei einem 0€-Budget und dem Rausschmiss aus dem Asylheim durch die Betreibergesellschaft war das keine leichte Aufgabe.

Mc Nuri, mit richtigen Namen Nuradil Ismailov, lebt seit dem er 9 Jahre alt ist, im deutschen Lagersystem. Mit seiner Schwerster Nurjana Ismailova und seinen Eltern kam er 2002 nach Deutschland, um der Gewalteskalation zwischen russischen Sicherheitskräften und Rebellengruppen in Dagestan zu entfliehen. Seit 10 Jahren lebt die Familie in Deutschland. Für Nuri und seine Schwester ist Deutschland zu ihrer neuen Heimat geworden. Trotz der vielen Jahre versuchen die Behörden in letzter Zeit verstärkt die Familie abzuschieben. Eine vor kurzen gestartete Untersützungskampagne ruft dazu auf, eine Onlinepetition zu zeichnen.

MyTerror – Niemals Vergessen (What We Feel-cover, 2012)

MyTerror / 2012

“Niemals vergessen …Erinnern heißt kämpfen!”

… heißt es in einem Song von „What we feel“, einer der bekanntesten ehemaligen Hardcore-Kapellen in Russland, deren Mitglieder sich konsequent gegen den Nazi-Terror stark machen.
Der musikalische Aufruf der Band ist allen Menschen gewidmet, die in Russland von militanten Nationalisten attackiert wurden. Die mit den Musikern befreundete Düsseldorfer HC-Band MyTerror griff das Stück jüngst auf, um pünktlich zum 19. Januar “My Nezabudem” – so der Originaltitel – in neuer Fassung hörbar zu machen.

Am 19.Januar 2012 wird nun das dritte Jahr in Folge russlandweit sowie in verschiedenen anderen Ländern dazu aufgerufen gegen Nazi-Terror, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Nationalismus Position zu beziehen. Hintergrund der Proteste ist die Erinnerung an die Ermordung des 34-jährigen Stanislav Markelov und der 25-jährigen Anastasija Baburova: Auf offener Straße nur wenige hundert Meter vom Kreml entfernt, wurden der Menschenrechtsanwalt und die Journalistin am helllichten Tag des 19. Januar 2009 von einem Mitglied einer Nazi-Terror Zelle erschossen.

Doch sind die beiden antifaschistisch Engagierten nicht die einzigen Opfer rassistischer und völkisch-nationalistisch motivierter Gewalt auf Russlands Straßen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Sova liegt allein die Zahl derer, die innerhalb der Jahre 2007 bis 2011 bei rassistischen und völkisch-nationalistischer Übergriffen in Russland ums Leben gekommen sind, bei 310 Menschen. Mehr als 1.250 wurden verletzt. Wobei die reellen Zahlen weitaus höher liegen dürften.

In diesem Zusammenhang formierte sich im Herbst 2009 das „Komitee 19. Januar“, dass Menschenrechtler_innen, Antifaschist_innen und andere emanzipatorisch engagierte Aktivist_innen mit den verschiedensten Hintergründen miteinander vereint. Das Bündnis aus Russland hat es sich zum Ziel gemacht die Opfer niemals zu vergessen und jährlich an die Notwendigkeit des täglichen Kampfes gegen den Faschismus zu erinnern.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen um von Düsseldorf aus unsere Solidarität mit der Initiative „Komitee 19. Januar“ zu äußern. Wir wollen den engagierten Aktivist_innen in Russland sagen, dass uns der Kampf, den sie führen wichtig ist und wir in Gedanken bei Ihnen sind. Deshalb stellen wir gemeinsam mit der Düsseldorfer Band „MyTerror“ ab dem 19. Januar ein gecovertes Musikstück zur Verfügung, mit dem wir dazu aufrufen wollen, das Bündnis zu unterstützen.

Seid solidarisch mit der Kampagne zum 19. Januar und lasst Euch das Stückchen knackigen HC-Punk nicht entgehen! Gegen eine freiwillige Spende steht der Coversong “Niemals Vergessen” auf einer der MyTerror-Seiten zum Download bereit. Der Erlös der Spenden soll die Aktivist_innen in Russland finanziell unterstützen!

Im Gedenken an alle von militanten Nazis attackierten Menschen in Russland und anderswo!
Kein Vergessen, kein Vergeben! ODER Niemals vergessen…Erinnern heißt kämpfen!

DruschbAntifa Düsseldorf & MyTerror

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